Ich denke gerade über Religionsfreiheit nach, nachdem ich die österreichischen Nachrichten gesehen habe. (Anders-)gläubige werden in vielen Ländern der Welt verfolgt, – besonders in vielen nicht europäischen Ländern. Unter dem Beitrag, also in den Kommentarspalten zum Beitrag, genieren sich viele selbsternannte Experten nicht, ihre Meinung kundzutun: Religion müsse komplett abgeschafft werden, andere geben bekannt, sie müsse in den privaten Raum verdrängt werden. Viele Likes. Aber ich sitze da und bin traurig darüber. Ich denke anders. Ich habe Philosophie studiert und gerade deshalb neige ich dazu, solche Themen etwas ausführlicher zu reflektieren.
Ich habe geantwortet, dass ich an Jesus glaube (damit meine ich nun auch, dass ich in Jesus ein großes Vorbild sehe) und dass Religionsfreiheit in einer Demokratie ein Menschenrecht sei. Religion ist erlaubt, sofern (und zwar sofern!) sie nicht mit den Menschenrechten kollidiert. So habe ich das in meinem Kommentar formuliert.
Wenn wir uns die Welt ansehen, und auch die Geschichte, so bemerken wir einen großen Einfluss von Religionen auf unsere Gesellschaft… es gibt verschiedene Religionen, Traditionen, Glaubensrichtungen, und sie alle gehören zur menschlichen Erfahrung dazu. Religionen entstehen aus einem Bedürfnis nach Sinn, nach Transzendenz, und nach Gemeinschaft, nach einer bestimmten Ordnung/Orientierung – viele Menschen erleben ein spirituelles Bedürfnis oder die Suche nach Transzendenz. Wie kann man Religion, oder vor allem sogar Spiritualität den Menschen komplett verwehren? Was passiert dann? Wir sehen das an den Diktaturen in der Menschheitsgeschichte… Historische Versuche, Religion vollständig aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen, haben oft neue Formen von Ideologie oder Personenkult hervorgebracht.
Gewiss, Religionen, institutionalisierte Religionen haben auch viele negative Phasen durchlebt und können sogar in Fundamentalismus ausarten, in Extremismus. Religionen, angeführt durch Menschen, waren für Hexenverbrennungen, Verfolgungen zuständig, für sexuellen Missbrauch, für Kriege. Das waren alles Ausartungen eines, so wie ich denke, falschen, nicht gemäßigten Verständnisses von Religion. Bzw. diese Entwicklungen zeigen, wie religiöse Überzeugungen – sowie auch politische Ideologien – missbraucht werden können oder in extremistische Formen umschlagen können.
In den letzten Jahrzehnten haben sich die Menschenrechte und die Demokratie stark entwickelt. Der Mensch, jeder Mensch ist gleich an Würde geboren. Der Mensch hat auch sicherlich ein spirituelles Bedürfnis, wie schon vorher angedeutet. Der Mensch sieht die Welt an und fragt sich oft: woher kommen wir, wohin gehen wir? Was ist der Sinn dieses Lebens? Diese Fragen beantwortet bzw. reflektiert teils die Philosophie, aber auch verschiedene Religionen, verschiedene religiöse Traditionen.
Wenn man diese Traditionen nun unter der Lupe der Menschenrechte sieht, einer Aufgeschlossenheit, einer ausbalancierten Sichtweise, so können wir also von Religionen viel Gutes mitnehmen – die Nächstenliebe und Toleranz, das Mitgefühl, der Fokus auf das gemeinsame Erleben, die Gemeinschaft.
Bemühen wir uns, aus den Welt-Religionen und unserer hier in Europa historisch vorwiegender Religion, dem Christentum, das Beste herauszuholen und das Beste daraus zu machen. Wenn die Religion nicht in den Fundamentalismus ausartet, können wir aus der Religion und den Religionen viel lernen – dann können wir wie erwähnt einen Fokus auf Toleranz, Liebe, eine Ordnung (man denke an religiöse Feiertage, an den Sonntag, oder den Sabbat, oder ähnliche Feiertage) legen. Daraus, also aus einer balancierten Sichtweise, kann dann Frieden und Dialog und Verständnis entstehen. So kann schließlich zum Weltfrieden und Harmonie zwischen all den religiösen Traditionen beigetragen werden. Mein Fazit ist also: Religion darf ihren Platz haben, solange sie die Würde und Freiheit aller Menschen respektiert.
Daria Kokozej, Juni 2026