Europa, ich komme, dachte sich wohl meine Mutter. Sie hat es später nicht bereut.
Ich hingegen war, den Videos meines Vaters nach zu urteilen, wie ausgewechselt. Am Tag unserer Ankunft in Wien. Es war der 30. Dezember 1993. Ich wirkte überdreht, fremd, nicht ganz bei mir. In der Wohnung hingen noch keine Vorhänge. Ein kleiner, künstlicher Christbaum stand da, mit ein paar Kugeln. Wir feierten bescheiden. Niemand wusste, was das neue Jahr bringen würde.
So war die Atmosphäre.
Dann kam der Alltag. Und mit ihm der Kindergarten. Und das Erbrechen.
Einmal ließen mich meine Eltern sogar für ein paar Stunden allein zuhause. Vielleicht hatten sie keine andere Wahl. Ich begann, gegen die Tür zu schlagen und nach ihnen zu rufen. Eine Nachbarin meldete das später meinen Eltern…
(kleiner Ausschnitt aus meinem autobiographischen Projekt, 2026; (c) Daria Kokozej)