2015. Ich wurde am Prayner Konservatorium aufgenommen – vergleichsweise spät, wie ich damals dachte, und doch erfüllte mich diese Zusage mit einem tiefen, fast überwältigenden Glück. Die ersten Monate waren von Aufbruch geprägt: neue Menschen, neue Möglichkeiten. Gleichzeitig versuchte ich, meine Bachelorarbeit in Philosophie voranzubringen, hielt an dem Plan fest, endlich abzuschließen.
Doch schon bald zeichnete sich am Horizont etwas ab.
Es war, als würde sich hinter all der Euphorie und dem Druck eine dunklere Schicht lösen. Etwas in mir geriet erneut aus dem Gleichgewicht – diesmal heftiger als je zuvor. Viel später sollte ich verstehen, dass all meine gesundheitlichen Erfahrungen miteinander verbunden waren. Damals aber war es nur ein diffuses, bedrohliches Gefühl.
Es begann mit einem Schmerz im Arm. Ich ging in eine Ordination, ließ alles abklären. Der Schmerz zog, so fühlte es sich an, bis zum Herzen. Die Angst wuchs. Kurz darauf suchte ich auch einen Gynäkologen auf – einen bekannten, den man den „Hormonpapst“ nannte. Ich war überzeugt, dass etwas mit meinen Hormonen nicht stimmte. Ich bekam Progesteron-Zäpfchen verschrieben – heute erscheint mir das alles fast absurd und unwirklich.
Nachdem ich sie angewendet hatte, breitete sich etwas in meinem Körper aus. Schnell. Unaufhaltsam.
Es war Winter 2015, fast schon 2016.
Zuerst kam die Nackensteife. Dann veränderte sich meine Wahrnehmung.
Alles wurde fremd, verzerrt, schwer greifbar. Ich konnte es nicht in Worte fassen, aber ich wusste: Etwas stimmt ganz und gar nicht. Es fühlte sich an wie eine Entzündung im Gehirn, wie ein stiller Ausnahmezustand.
Ich lag im Bett und rief den Notdienst.
Sie kamen, untersuchten mich – und sagten schließlich, es sei alles in Ordnung. Es sei psychisch.
Ein Satz, den ich noch oft hören sollte.
Man ließ mich zurück.
Und ich blieb allein mit diesem Zustand, der mich zunehmend von mir selbst entfernte. Ich konnte kaum noch denken, kaum verstehen, was um mich herum geschah. Die Schmerzen blieben, die Nackensteife ebenso. Mein Körper fühlte sich nicht mehr wie meiner an.
Meine Eltern waren verzweifelt.
Ich lebte während des Studiums noch bei ihnen, und sie sahen, wie ich von Tag zu Tag schwächer wurde, wie mir das Leben entglitt, ohne dass jemand sagen konnte, warum.
Mit einem Mal musste ich alles aufgeben.
Die Musik. Das Singen. Das Studium am Konservatorium.
All das, was sich gerade erst geöffnet hatte.
Es fühlte sich an wie ein Sturz.
Erst der Aufbruch – dann der Zusammenbruch.
Erst Hoffnung – dann eine Niederlage, die keinen Namen hatte.
Ich verstand nicht, was mit mir geschah.
Zuerst die Derealisation. Dann die Zahnprobleme. Und nun Symptome im ganzen Körper? Ich konnte keinen Zusammenhang erkennen, keine Logik, keinen Halt.
Ich fühlte mich von Gott verraten.
Und von der Welt verlassen.
Wochenlang lag ich da, kraftlos, ausgeliefert, und versuchte zu begreifen, was mit mir geschah. Ich suchte, las, recherchierte – verzweifelt, aber beharrlich.
Und schließlich, nach langer Zeit, fand ich selbst eine mögliche Antwort.
Ohne Arzt. Ohne Hilfe.
Es war Lyme-Borreliose.
(Daria Kokozej und KI, 26. März 2026, Auszug aus meinem neuen autobiographischen Buch-projekt)