Verliebt

Dann trat er in mein Leben – ein neuer Schüler, geheimnisvoll, mit dunklem Haar und einer leisen Ausstrahlung. Er stammte ursprünglich aus der Slowakei, wie ich erfuhr, und es hieß, ein Verwandter von ihm sei Opernsänger. Ich war sechzehn und verliebte mich zum zweiten Mal, diesmal mit voller Wucht. Doch ich brachte kein Wort hervor.

Einmal ging ich mehrere Kilometer zu Fuß bis zu seiner Wohnadresse, entlang des Donaukanals. Ich sagte ihm nie etwas davon. Es war mein Geheimnis, und gerade das machte es kostbar.

Bei einer Schulveranstaltung, einem Tag der offenen Tür, hatte ich mich besonders sorgfältig gekleidet – eine Bluse, ein Rock. Ich wollte gesehen werden, ohne es auszusprechen. In einem unbeobachteten Moment legte er seine Hand auf meinen Schenkel, kurz und sanft. Es war eine zarte Geste, aber sie ließ mein Herz rasen.

Er setzte sich später im Unterricht neben mich. Vielleicht war es ein Zeichen. Doch ich blieb stumm. Die Stimme meiner Mutter klang in mir nach: Die Frau solle nicht den ersten Schritt machen. Also wartete ich – und sagte nichts.

Ich begann abzunehmen, lief mit meinem Vater, aß weniger. Im Winter wurde ich krank; eine hartnäckige Bronchitis hielt mich fast einen Monat von der Schule fern. Als ich zurückkehrte, verkündete er, er sei verlobt.

Dieses Wort traf mich wie ein Schlag. Mit sechzehn klingt „verlobt“ endgültig, unwiderruflich. Ich fühlte mich, als sei mir der Boden unter den Füßen weggezogen worden. Abends weinte ich mich in den Schlaf. Mein Herz schmerzte körperlich. Er bemerkte nichts davon – oder ließ es sich nicht anmerken.

Wieder stürzte ich mich in das, was mir Kontrolle versprach: Lernen, Schreiben, Denken. In Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch und Latein verfasste ich Aufsätze und Übersetzungen mit wachsender Hingabe. In Mathematik hingegen wurden meine Noten schlechter; meine Energie floss in Worte, nicht in Zahlen.

Im Wahlfach Bildnerische Erziehung entdeckte ich eine weitere Ausdrucksform. Ich hatte ein gutes Augenmaß, sagte man mir. Ich begann, Porträts zu malen – auch von Freddie Mercury – und wagte mich schließlich an Öl. Auf der Leinwand konnte ich festhalten, was mir im wirklichen Leben entglitt: Intensität, Blick, Nähe.

So wurde die Oberstufe zu einer Zeit der inneren Extreme – zwischen Fantasie und Realität, zwischen Schweigen und Sehnsucht, zwischen Schmerz und schöpferischer Kraft…

(Daria Kokozej und leichte KI Überarbeitung, März 2026)

Veröffentlicht von gloriajoandaria

BA (Philosophie) Uni Wien, Berklee Summer School 2018, St Franziskus Volksschule, Boerhaavegasse Gymnasium, Uni Graz... etc...

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