die Außenseiterin

Sie war eine schüchterne Außenseiterin in der Schule- ein nerdiges, etwas pummeliges Mädchen in Kleidern, die ihre Mama ausgesucht hatte. Immer vertieft in Jugend-Bücher, hatte sie dicke Brillen auf, später Kontaktlinsen und trug dichte Stirnfransen, hinter denen sie sich sicher und wohler fühlte. Wenn die Lehrer sie aufriefen, so antwortete sie immer mit einer sanften, kaum hörbaren Stimme und andere Mitschüler kicherten im Hintergrund. Daria, die Schüchterne.

Das war in der Unterstufe des Gymnasiums – eine Zeit, in der sie spürte, dass sie irgendwann aus diesem Schatten treten wollte. Sie wusste, dass sie sich verändern musste. Aber wie?

Ihre Zurückhaltung, ihr „Bravsein“, wurde von manchen als Provokation empfunden. Und so wurde sie zum Ziel. Man nahm ihr das Federpenal weg, schubste sie auf der Treppe, flüsterte Gemeinheiten hinter ihrem Rücken – oder sagte es ihr direkt ins Gesicht. Erst zu Hause, allein in ihrem Zimmer, konnte sie weinen. Immer wieder fragte sie sich: Wann hört das endlich auf?

Drei, fast vier Jahre zog sich dieser Albtraum hin. Eine Zeit des Bangens, Lernens, Aushaltens – mit der Hoffnung, dass sich irgendwann alles ändern würde.

Und dann kam der Wandel.

In der Oberstufe begann sich etwas zu verändern. Daria war nicht mehr das Mädchen mit der unsichtbaren Stimme. Es geschah nicht über Nacht, sondern ganz allmählich – ein innerer Prozess, wie ein langsames Erwachen.

Die Fransen verschwanden, die Kleidung wählte sie nun selbst. Noch immer war sie ein Bücherwurm, doch ihre Lektüre hatte sich verändert: klassische Literatur, Figuren mit Rückgrat, Helden und Heldinnen, die sich behaupteten.

Und dann war da die Musik. Daria entdeckte Queen – Freddie Mercury wurde zu einer Stimme, die sie aufrichtete. Die Songs gaben ihr Kraft, spiegelten ihre Wut, ihre Sehnsucht, ihre Träume. In ihnen fand sie Zuflucht und Antrieb zugleich.

Eines Tages meldete sie sich im Unterricht – nicht aus Pflicht, sondern aus Überzeugung – weil sie etwas zu sagen hatte. Sie verteidigte ihre Meinung, und diesmal wurde sie nicht ausgelacht. Sie wurde gehört. Einige Mitschüler diskutierten mit ihr, andere baten sie sogar um Nachhilfe.

Sie hatte sich verändert. Nicht, weil sie jemand anderes geworden war – sondern weil sie sich selbst angenommen hatte.

Und als eines Tages ein jüngeres Mädchen in der Schule gehänselt wurde, zögerte Daria nicht. Sie stellte sich dazwischen – ruhig, fest, bestimmt.
Diesmal war sie es, die einschritt. Und es fühlte sich richtig an.

ENGLISH:

She was a shy outsider at school — a slightly chubby, nerdy girl wearing dresses her mom had picked out for her. Always lost in young adult books, she wore thick glasses — later contact lenses — and had heavy bangs that made her feel safe and more comfortable.
When teachers called on her, she always answered in a soft, barely audible voice, while classmates giggled in the background. Daria, the shy one.

That was during the lower grades of secondary school — a time when she began to sense that one day she wanted to step out of the shadows. She knew she had to change. But how?

Her quietness, her „good girl“ attitude, was seen by some as a provocation. And so, she became a target. Her pencil case was taken, she was pushed on the stairs, and mean comments were whispered behind her back — or right to her face.
Only at home, alone in her room, could she cry. And over and over again, she asked herself: When will this finally stop?

This nightmare dragged on for three, almost four years. A time of anxiety, studying, and enduring — with the hope that someday things would change.

And then came the shift.

In upper school, something began to transform. Daria was no longer the girl with the invisible voice. It didn’t happen overnight — it was a slow, internal process, like waking up from a deep sleep.

The bangs disappeared. She started choosing her own clothes. She was still a bookworm, but her reading had changed: classic literature, characters with backbone, heroes and heroines who stood their ground.

And then there was the music. Daria discovered Queen — and Freddie Mercury’s voice became a force that lifted her up. The songs gave her strength, reflected her anger, her longing, her dreams. In them, she found both refuge and drive.

One day, she raised her hand in class — not out of duty, but because she had something to say. She defended her opinion, and this time, no one laughed. She was heard. Some classmates engaged in discussion; others even asked her for help with schoolwork.

She had changed. Not because she had become someone else — but because she had finally accepted herself.

And when one day a younger girl at school was being bullied, Daria didn’t hesitate. She stepped in — calm, firm, and confident.
This time, she was the one who stood up. And it felt right.

Veröffentlicht von gloriajoandaria

BA (Philosophie) Uni Wien, Berklee Summer School 2018, St Franziskus Volksschule, Boerhaavegasse Gymnasium, Uni Graz... etc...

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