Tonio Kröger

Arbeitsauftrag zu Thomas Mann: Tonio Kröger, innerer Monolog; verfasst von Daria Kokozej (7A) im Juni 2005, 16 Jahre alt:

Wer bin ich? Welche Rolle spiele ich in dieser für mich harten Welt voll Unverständnis?

Ich bin geboren, um zu leiden. Denn nur durch den ewigen Schmerz in meiner Brust spüre ich, dass ich nicht aufhören zu existieren, dass ich mich zu einem „Menschen“ heranbilde.

Liebliche Inge, die du so unbeschwert den Tanz des Lebens tanzt, du kannst dich glücklich schätzen. Kein Leid, keine Not ist dir bekannt, die lodert tief im Inneren eines Herzens. So glücklich rein du bist… Ach wärest du doch mein.

Ich spüre, wie langsam die Flamme meiner Hoffnung erlischt. Waren meine Gefühle zu dir sinnlos gewesen ? Hättest du mich verstanden, meine Sorgen fühlen können? Oder wäre ich in deinen Augen für immer ein Ausgestoßener geblieben – ein möchte-gern Künstler, der dichtet und vor sich hin spinnt, doch die Wirklichkeit des Lebens nicht erfasst hat?

Inge, wie sehr ich dich geliebt habe. Wie sehr ich nächtelang gelitten und zugleich gehofft habe. Ist die mein innerster Wunsch nicht bis in dein Herz gedrungen und hat dir deine Seele aufgetaut?

Nun ist’s jedoch vorbei mit mir. Vor allen Anwesenden bin ich durch meine Verliebtheit gedemütigt worden. Dies geschieht mir recht. Wie konnte ich mich nur so blind wie ein neugeborenes Kind verhalten?

Mein Körper zittert und quält sich die ganze Zeit. Du hast mich ausgelacht, Inge. Du hast mir ein Messer in den Leib gestochen. Womit habe ich das verdient? Was kann ich denn tun, um von jemanden verstanden, akzeptiert, vielleicht gar geliebt zu werden? Ich sehne mich so sehr nach Zärtlichkeit, nach Wärme und Sicherheit. Schon zwei Mal wurde mir das Nest der Geborgenheit verweigert.

Womöglich bin ich unter einem schlechten Stern geboren – ein Harlequin, der alle aufheitert und zum Lachen bringt, jedoch tief in seiner Seele weint. Schon so viel Schmerz habe ich erlitten, dass ich ganz abgestumpft bin. Gibt es für mich noch einen Grund zu leben?

„Was“ bin ich? Ein Lebewesen, gespalten in zwei Hälften?

Ich liebe das Schöne, Unschuldige, „Normale“, und doch strebe ich nach mehr. So gerne möchte ich in meinem Leben etwas erreichen, nach den Sternen greifen. Werde ich jemals zu den Unsterblichen gehören? Werde ich das Kosmische überwinden und mich behaupten können?

Doch immer wieder versinke ich in Zweifel… Dieser Zweifel hindert mich an aller Liebe und Selbstverwirklichung. Verzeih mir Hans, dass ich dich vergessen habe. Verzeih mir Inge, dass ich dich vergessen werde.

Ich bin undefinierbar.

(2005, Daria Kokozej)

Veröffentlicht von gloriajoandaria

BA (Philosophie) Uni Wien, Berklee Summer School 2018, St Franziskus Volksschule, Boerhaavegasse Gymnasium, Uni Graz... etc...

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