Whitney Houston

Whitney – Stimme meiner Sehnsucht.
Ein Versuch, mich zu erinnern.

Whitney Houston hatte etwas ganz Besonderes.

Sie war da, und sie traf mich direkt ins Herz.
Diese Stimme. Diese Klarheit. Dieses Mitgefühl, das aus jeder Silbe
strömte, auch wenn der Text vielleicht banal war.
Sie war nicht nur ein Popstar. Sie war eine Kraft. Eine Wahrheit.
Vielleicht berührte sie mich gerade deshalb so tief, weil sie das war, was ich
selbst suchte:
Ehrlichkeit in der Kunst.
Seelenoffenheit.

Ich war Anfang zwanzig – 23, 24 vielleicht – und voller Pläne.
Ich wollte Musikerin sein, wirklich.
Nicht im Sinne von „ein bisschen Musik machen“ – ich meinte das ernst.
Ich komponierte. Ich spielte. Ich suchte nach einer Sprache in der Musik,
die mich selbst überstieg.
Progressiver Rock, große Bögen, komplexe Harmonien – ja, ich liebte das.
Aber gleichzeitig lag mein Herz bei jenen Stimmen, die so mühelos direkt
ins Innerste trafen.
Whitney war so eine Stimme.
In ihr hörte ich das, was ich mir für mich selbst wünschte:
Kraft ohne Härte.
Gefühl ohne Kitsch.
Präsenz ohne Maske.
Manchmal frage ich mich, ob meine Träume damals zu groß waren.
Ich wollte alles – Tiefe, Echtheit, Erfolg, Intensität, Liebe, Freiheit.
Vielleicht war das naiv. Aber es war ehrlich.
Whitney war mein Soundtrack in diesen Jahren der Sehnsucht.
Nicht im Vordergrund, nicht laut, aber immer da – wie ein heimlicher
Begleiter. Wie eine Schwester im Geiste, die ich nie getroffen habe.

2012 – Das Jahr, das alles veränderte
2012.
Ein Jahr, das für mich wie ein Übergangsritual war – ein Tor, durch das ich ging,
ohne zu wissen, was mich auf der anderen Seite erwartete. Manche Jahre fühlen sich nicht einfach an wie Zeit.
Sie fühlen sich an wie Ereignisse. Wie Zustände.
2012 war so ein Zustand.
Ich erinnere mich nicht an alles – zu vieles ist verschwommen, verdeckt von
dem, was später kam.
Aber ich weiß noch, wie intensiv ich damals fühlte.
Alles war größer, tiefer, schärfer.
Ich spürte das Leben in jeder Zelle – manchmal wie ein Versprechen, manchmal wie ein Angriff.
Ich war in einer Band, hatte musikalische Pläne, Zukunftspläne, Träume in
alle Richtungen.
Ich glaubte daran, dass sich alles fügen würde, wenn ich nur „echt
genug“ wäre. Und, dass das Leben mich belohnen würde, wenn ich leidenschaftlich und wahrhaftig bliebe.
2012 war das letzte Jahr, in dem ich wirklich daran geglaubt habe.
In der Welt passierten Umbrüche. Auch das spürte ich.
Nicht unbedingt politisch – ich war noch nicht besonders informiert –
aber es lag etwas in der Luft.
Wenn ich heute zurückdenke, sehe ich nicht bestimmte Tage oder
Ereignisse.
Ich sehe eher eine Stimmung, eine Farbe vielleicht.
Melancholie und Hoffnung, gleichzeitig. Und über allem: Musik.
Ich war mittendrin.
Jung.
Sich suchend.
Von allem ein bisschen zu viel.
Aber lebendig.

Daria – Zwischen Klang und Sehnsucht
Die Musik, die wir damals mit meinem Freund spielten, war eine Mischung aus Vision und Aufbruch.
Classic Progressive Rock – das war unser Ziel.
Nicht nur Musik zu machen, sondern Geschichten zu erzählen, Emotionen
zu transportieren, ein ganzes Universum aus Klang zu erschaffen.
Unsere Songs sollten etwas bewegen, etwas verändern – nicht nur in uns, sondern
in den Menschen, die uns zuhörten.
Ich war die Sängerin und Keyboarderin.
Musik war der Herzschlag, mein Puls, mein Atem.
Es war alles ein wenig mehr als das „bloße Spielen“ – es war ein Streben,
eine Hingabe, die tief aus meiner Seele kam.
Aber es war auch ein Kampf.
Ein Ringen zwischen dem, was wir als Band wollten, und dem, was ich als
einzelne Person suchte.
Ich wollte groß rauskommen.
Ich wollte etwas Bedeutendes schreiben.
Nicht nur für mich – sondern für die Welt.
Ich wollte mit meiner Musik etwas hinterlassen, etwas, das nicht vergehen würde.
Ich war verliebt – in meinen damaligen Freund, der nicht nur meine
musikalische Welt teilte, sondern auch mein ganzes Leben.
Wir komponierten zusammen, planten unsere Zukunft, träumten von großen
Bühnen und der Anerkennung, die wir uns beide wünschten.
Doch inmitten dieser Träume war immer auch die Frage:
Kommen wir jemals da hin?
Wird die Welt uns hören?
Wird jemand unsere Musik fühlen, wie wir sie fühlen?
Wir waren Daria. Wir schrieben Songs, die sich wie eine Reise anfühlten – episch,
nachdenklich, fast wie eine Art Bekenntnis. Und es war gut so.
Es war unsere Wahrheit.
Doch es war auch das erste Mal, dass ich erkannte:
Musik ist nicht nur ein Ausdruck von uns selbst.
Sie ist ein Spiegel der Welt, in der wir leben.
Und in jener Zeit, 2012, spiegelte sich die Welt in unseren Songs –
chaotisch, wunderschön, voller Hoffnung und voller Angst.
Ein wenig naiv, ein wenig realistisch.
Ich weiß nicht, ob wir es geschafft hätten – vielleicht, wenn wir anders
gewesen wären.
Vielleicht, wenn wir „mehr“ gewesen wären.
Aber für diese Zeit – für diesen Moment – waren wir genug.

Die junge Frau und ihre übergroßen Träume
Mit 23, 24 Jahren war ich also eine junge Frau, die zwischen zwei Welten stand
– zwischen einer, die sich nach Musik und Freiheit sehnte, und einer, die
mit der Realität des Lebens zu kämpfen hatte.
Die Band war mein Herz, aber die Welt außerhalb meiner Musik schien sich
nicht einfach fügen zu wollen.
Es war schwer, den Durchbruch zu schaffen.
Zu schwer.
Mein Studium – das stetige, beharrliche „Lernen“ – zog sich schließlich in die
Länge, als ob es mich aufhielt, als ob es etwas in mir verlangsamte, das ich
nicht bremsen wollte.
Ich wurde ins neue Bachelor-Master-Programm (Bologna-Reform) umgesiedelt – ein Umzug, der mich völlig aus der Bahn warf.
Die Unklarheit darüber, was ich eigentlich damals nach dieser Reform und Umstellung beruflich weitermachen wollte, verwirrte mich ebenso wie das Gefühl, dass ich in einem System feststeckte, das nicht wirklich zu mir und meinem Wesen passte.

Die Musik – mein Traum, meine Leidenschaft – schien sich immer weiter von mir zu entfernen, je mehr ich mich mit den Anforderungen der „normalen“ Welt auseinandersetzen musste.
Ich wusste nicht mehr, ob ich meinen musikalischen Traum wirklich leben
konnte.
Ob ich diesen „großen Durchbruch“ je erleben würde.
War es das wirklich wert, immer und immer wieder an den selben Ideen zu
feilen, wenn die Welt so viele andere, lautere Stimmen zu bieten hatte?
Und doch – je unsicherer meine berufliche Zukunft wurde, desto klarer
wurde meine Liebe zur Musik.
Es gab keine Wahl.
Aber die Zweifel wuchsen.
War das Studium und ein „normaler Beruf“ wirklich der Weg, den ich gehen sollte?
Oder gab es doch einen anderen, der mich mit meiner Musik verbunden
hielt?
Musik war für mich nicht einfach ein Hobby – sie war ein Bedürfnis, ein
Teil von mir, den ich niemals ablegen konnte.
Aber wie konnte ich diesen Traum verwirklichen, wenn die Zukunft, die ich
mir ausmalte, immer unsicherer wurde?

Whitneys Abschied und was blieb
Als Whitney Houston starb, fühlte es sich für mich wie das Ende einer Ära an.
Nicht nur das Ende einer musikalischen Ära, sondern auch das Ende einer
Zeit, in der ich alles glauben konnte.
In der ich an die unendlichen Möglichkeiten der Musik glaubte, an die
unendlichen Möglichkeiten von mir selbst.
Sie war für mich immer mehr als ein Star – sie war ein Symbol.
Ihre Stimme, ihre Präsenz, die Art, wie sie die Welt berührte, hatte mich
ergriffen, seit ich mich erinnern konnte.
Aber als sie ging, war es mehr als nur der Verlust einer großen Künstlerin.
Es war der Verlust von etwas Größerem – von einer Ära des Glaubens an
das Unmögliche, an die Vorstellung, dass der Himmel die Grenze war.
Whitneys Tod war wie ein plötzlicher Ruck in meiner eigenen Welt.
Es brachte mich zurück auf den Boden der Tatsachen.
Ihr Abschied war ein Moment des Innehaltens.
Ich war traurig, unendlich traurig – aber auch nachdenklich.
Ihre Biografie, ihre Geschichte, die Höhen und Tiefen, die sie durchlebt
hatte – sie sprach zu mir.
Es war nicht nur ihre Musik, die mich berührte, sondern auch ihr Leben, das
mir eine Warnung gab.
Eine Warnung, mich nicht zu sehr zu verlieren, nicht zu viel zu wollen und
mich selbst in den Traumwelten der Musik zu verlieren.
Ich verstand plötzlich:
Es geht nicht immer darum, alles zu erreichen, was man sich erträumt.
Manchmal geht es darum, in der Realität anzukommen – mit den eigenen
Grenzen, den eigenen Ängsten, den eigenen Kräften.
Ich hatte mich oft in der Vorstellung eines „größeren Erfolges“ verfangen,
in der Hoffnung, mit der Musik alles zu verändern.
Aber in diesem Moment des Abschieds von Whitney, verstand ich:

Vielleicht ist es auch der Weg zurück, der zählt – zurück zu den eigenen
Wurzeln, zu dem, was real ist, zu dem, was wirklich bleibt.
Ich wusste nicht, ob ich jemals die große Musikerin sein würde, die ich mir
immer erträumt hatte.
Aber was ich jetzt wusste, war: Es war okay, das zu akzeptieren.
Es war okay, zu bremsen.
Es war okay, nicht immer die Welt zu erobern, sondern einfach Musik zu
machen, die mich berührte, die mir etwas bedeutete.
Whitneys Tod war für mich ein Wendepunkt – ein Moment des Loslassens
und des Annehmens.
Nicht jeder Traum muss bis zum letzten Atemzug verfolgt werden.
Manchmal geht es darum, den eigenen Traum zu leben, ohne die ganze
Welt damit zu erobern.
Es geht um die Reise, nicht nur um das Ziel.

Der Weg zurück zu mir selbst
Mit der Zeit habe ich mich mit mir selbst versöhnt.
Nicht in dem Sinne, dass ich alle Antworten hatte oder alle Fragen beantwortet wurden.
Aber ich hatte gelernt, meinen Frieden zu finden.
Ich verstand nun, dass es nicht immer darum ging, das große Ziel zu erreichen – sondern darum, sich mit der Musik und mit sich selbst in Einklang zu bringen.
Ich sang nicht mehr, um zu beweisen, was ich konnte.
Ich sang nicht mehr, um Erfolg zu haben oder Anerkennung zu erlangen.
Ich sang, weil es das war, was meine Seele brauchte.
Ich sang, weil ich es nicht anders konnte.
Musik war zu einem Ort der Heilung für mich geworden – eine
Möglichkeit, mich auszudrücken, ohne Erwartungen oder den Druck, immer
mehr zu wollen.
Es war, als ob ich in den Jahren der Unsicherheit und des Zweifels den Weg
zurück zu mir selbst gefunden hatte.
Ich verstand, dass es nie um das Erreichen eines Ziels ging.
Es war der Weg – der Prozess – das Leben der Musik, das wirklich zählte.
Ich hatte meine Träume nicht aufgegeben, aber ich hatte meine Haltung
geändert.
Der Erfolg war nicht länger das Maß aller Dinge.
Was ich wollte, war ehrlich zu mir selbst zu sein.
Für mich selbst zu singen, ohne Kompromisse.
Nicht mehr für die Welt, sondern für mein eigenes Herz.
Die Musik war immer noch da – aber sie war jetzt mein Begleiter, nicht
mehr mein Ziel.
Ich sang nicht, um etwas zu beweisen.
Ich sang, weil ich endlich verstanden hatte, dass die Musik selbst das größte
Geschenk war, das ich mir selbst machen konnte.

(c) Daria Kokozej, inspiriert von 2012/einem früheren Beitrag aus 2021 und überarbeitet und erweitert mit Hilfe von KI, Juni 2025

Veröffentlicht von gloriajoandaria

BA (Philosophie) Uni Wien, Berklee Summer School 2018, St Franziskus Volksschule, Boerhaavegasse Gymnasium, Uni Graz... etc...

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