verfasst im März 2006, Deutsch-Schularbeit; Daria Kokozej 8A (damals 17 Jahre alt)
Der Begriff „Heimat“ ist ein sehr vielseitiger Begriff. Ein Mensch kann darunter einen Ort verstehen, wo er sich wohl fühlt und geboren ist; für jemand anderen ist es ein Land, wo er willkommen ist. Jedoch gibt es auch Menschen, für die, aus gewissen Gründen, seien es schwierige politische oder wirtschaftliche Verhältnisse wie Krieg, Hunger oder sogar Naturkatastrophen, ein bestimmtes Land, das ihnen vorher fremd war, zur Heimat geworden ist. Genau deshalb gibt es nicht wenige Menschen und damit auch Länder auf diesem Planeten, die die verschiendesten kulturellen Hintergründe besitzen.
Ein Land, das eine sehr vielfältige Geschichte aufweist, ist Österreich. Schon am Namen „Österreich“ – wörtlich „Reich der ‚Öster'“ – kann man erkennen, dass dies kein Land mit „monotoner“ Kultur oder geschichtlichem Hintergrund, sondern ein großes Konglomerat bzw eine Mischung aus den unterschiedlichsten Kulturelementen und Nationen ist. Elfriede Jelinek hat diese Tatsache in ihrer Rede zur Verleihung des Heinrich-Böll-Preises im Jahre 1986 richtig erkannt und verkündet. Wir Österreicher können nicht behaupten, dass wir „reinrassig“ seien. Selbst unsere Klischees bzw. Dinge, mit denen wir seit unserer frühesten Kindheit vertraut sind, z.B. die gutbekannten Schnitzel, das Kaffee und sofgar das Schifahren, haben einen völlig anderen „Ursprung“, wie Menschen, die einen beschränkten Zugang zur Bildung haben, nicht vermuten würden.
Der Grund für die oben erwähnte Tatsache ist simpel zu erläutern: während unserer ganzen Geschichte hat Österreich Belagerungen erlebt, an Kriegen teilgenommen, Flüchtlinge oder einfach Menschen, die uns gekommen sind, aufgenommen und auf diese Weise Elemente aus anderen Kulturen, die wir während all diesen geschichtlichen Ereignissen kennengelernt haben, übernommen und uns eigen gemacht. So darf es niemanden wundern, wenn kroatische, slawische, oder türkische oder andere Einflüsse bei schon gut Bekanntem herauszusehen sind.
Aufgrund der Kenntnis unserer Geschichte und den oben erwähnten Einflüssen ist es bedauerlich, dass es noch Menschn gibt, die behaupten, ihr Land oder ihre Kultur sei die Beste, ihre „Rasse“ die Reinste, sodass es nicht selten zu chauvinistischen oder sogar rassistischen Äußerungen kommt. So gibt es Parteien, Menschen, die „Ausländer“ verachten und sie von ihrem „Österreich“ möglichst fernhalten wollen. Dabei ist ihnen offensichtlich nicht bewusst, dass ihre nahen oder entfernten Vorfahren aus einem ganz anderen Land stammen als aus Österreich. Dieses Beispiel gilt nicht nur für Österreich, sondern für alle Länder unserer Erde und geht über geographische und kulturelle Angelegenheiten weit hinaus; so erleben wir z.B. gerade wie Religionen von anderen Religionsvertretern diskriminiert werden.
Damit es nicht zu diesen eigentlich „unnötigen“ Diskriminierungen, Erniedrigungen anderer Kulturen, Nationen – doch vielmehr Menschen – kommt, sollten wir uns zum Einen mit unserer Heimat, zum Anderen mit der Heimat anderer beschäftigen und bewusst auseinandersetzen. Schon von frühem Alter an sollte ein Kind mit Integrationsbewusstsein erzogen werden und auf diese Art erfahren, dass es verschiedene Menschen gibt und dass es deren Kultur, Einstellung und Meinung zu respektieren und tolerieren gilt. Auch die Schulen und andere Bildungsstätten sollten darauf achten, dass die Schüler ihren Horizont erweitern, damit es in ihrem Leben später zu keinen Problemen bezüglich Hautfarbe, Sitten, Bräuchen, Kultur oder anderen Themen, die Anlass zur Diskriminierung werden könnten, kommt. Schließlich sollte jeder von uns einerseits Interesse an den eigenen Wurzeln und andererseits an allen anderen Kulturen der Welt entwickeln, was zugleich einen gebildeten Menschen ausmacht.
Mit diesem reichen Kultur- und „Konglomeratsbewusstsein“ sollten wir deshalb auch vermeiden, in Konfliktsituationen die Schuld an schwerwiegenden Problemen ausschließlich anderen Nationen zuzuschreiben, wie im Falle unseres nationalsozialistischen Hintergrundes. Wir alle müssen für diese schreckliche Zeit verantwortlich sein, damit wir aus ihr für uns persönlich Konsequenzen ziehen könen und in Zukunft versuchen, grausame Fehler, die andere Menschen oder vielleicht auch unsere Vorfahren in ihrem Leben begangen haben, zu vermeiden.
Schließlich sind wir, im Grunde genommen – so verschieden wir von unserer Einstellung oder unseren Hintergründen her sind – alle gleich : wir alle besitzen Gefühle, Sorgen, Ängste und sind alle Menschen, deren eigentliche Heimat die Welt ist.
Auch ich persönlich bin mit der Einstellung aufgewachsen ein „Kind der Welt“ zu sein; deshalb besitze ich viele verschiedene „Heimaten“ oder Orte, an denen ich mich wohl fühle. Meine Wurzeln stammen aus der Ukraine, und dieses Land weist – wie eben die meisten – vielseitige Einflüsse auf: russische, türkische, griechische – um nur einige zu nennen. Doch ich bin sehr dankbar dafür, dass Österreich mir eine Möglichkeit gegeben hat, hier zu leben, zu studieren, meinen Horizont zu erweitern und von hier aus die Welt kennenzulernen, was in der Ukraine nach dem Zerfall der Sowjetunion nicht so leicht gewesen wäre.