
verfasst am 18.01.05, 7A, Boerhaavegasse Gymnasium – abgeändert am 9.1.2021…
Über die Liebe…
Vor gar nicht allzu langer Zeit führte ich mit einer mir bekannten, bewunderten und zugleich gefürchteten Person, ein sehr interessantes Gespräch über die Liebe. Zu diesem heiklen und delikaten Thema sind wir beide über keine geringere Persönlichkeit, als über Goethe selbst gekommen, genauer gesagt, über sein Meisterwerk „Faust“ und die darin vorkommende Gretchentragödie. „Aber bitte, das ist doch eine ganz typische Frau, die in einen ganz typischen Fall hineingeraten ist. So was passiert jeden Tag!“, macht mir diese „allwissende“ Person klar. Meine Wenigkeit wollte jedoch wissen, wie es um die „wahre“ Liebe steht, und nicht, wie mein Gesprächspartner meinte, um einen „ganz typischen Fall“ Marke „Mädchen verliebt sich in Junge – Junge schläft mit Mädchen – Mädchen ist schwanger und verzweifelt – Mädchen bringt sich um“. Nein, ich die ich so unverschämt war, vor mindestens fünfzehn anderen Leuten diese „alles entscheidende“ Frage zu stellen, fragte ihn direkt (Sie lesen vollkommen richtig, es handelt sich hierbei um ein äußerst kompliziertes Subjekt, ein reinblütiges männliches Wesen), was er von der Liebe halte. Schweigen. Dreißig neugierige Augen schauten mich an. „Adieu mes amis“, dachte ich armes Opfer, „nun werde ich gefressen.“ Doch, ein Wunder! Die fünfzehn eben noch hungrigen und Speichel schluckenden Wölfe wandten sich von mir wieder ab und unser „intimes Gespräch“ ging weiter. Er schaute mich zuerst mit einem Blick an, als ob er nie etwas von wahrer Liebe gehört hätte; dann verkündete er seine von mir immer so hochgeschätze Meinung mit einer derartigen Leichtigkeit, dass mir fast der Atem weg bliebt. Ich zitiere: „Leidenschaft verfliegt, aber wahre Liebe macht wahnsinnig“ So so. Liebe macht also wahnsinnig. Schnell wollte ich ihm widersprechen, aber schon setzte Professor Doktor Diplomingenieur Soundso in einer ernsten Tonlage fort: „Wenn man einen Menschen wirklich liebt, gibt es danach kein Zurück mehr.“ Ich verstummte vorerst; analysierte die letzten Worte noch schnell in meinem Gehirn. „Kein Zurück“. Ja, da hatte er Recht. Doch insgeheim interpretierte ich seinen weisen Satz doch um: Leidenschaft verfliegt, aber wahre Liebe bleibt. Für immer.
Daria Kokozej
– verfasst als 16-jähriges Mädchen… danke an Stani und meine Deutschlehrerin für die Inspiration…